Weltkirche im Bistum Aachen
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Weltkirche im Bistum Aachen
 
 
Renovabis-Aktion

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KirchenZeitung für das Bistum Aachen

Renovabis malt ein neues Bild Osteuropas

Veranstaltung zu Zwangsprostitution und Talkabend zu Rumänien


Von Andrea Thomas. Auch wenn der Eiserne Vorhang, der Ost und West trennte, seit über 20 Jahren Vergangenheit ist, sind die Länder Osteuropas und ihre Menschen uns im Westen Europas noch vielfach fremd.

So war der Bundesabschluss der diesjährigen Pfingstaktion des Hilfswerks Renovabis im Bistum Aachen mit unterschiedlichen Veranstaltungen auch eine große „Kennenlern-Aktion“.

Für die Mitarbeiter von Renovabis und ihre osteuropäischen Gäste war es eine termin- und erlebnisreiche Woche vor Pfingsten. Auf ganz unterschiedlichen Ebenen suchten sie den Austausch und die Begegnung, sei es bei Besuchen der Aachener Hilfswerke, bei Schülern des Aachener Pius-Gymnasiums, beim diözesanen Caritasverband, in Gemeindegottesdiensten in Aachen und Düren oder bei den Veranstaltungen in und um Aachen. 

Inhaltlich ragten dabei vor allem der Informations- und Diskussionsabend zum Thema „(Zwangs-)Prostitution und Frauenhandel in Aachen“ und ein etwas lockererer Abend mit Talk und Musik zu Rumänien heraus. Den feierlichen Abschluss bildete der Pfingstgottesdienst im Dom mit Bischof Heinrich Mussinghoff, seinem rumänischen Amtsbruder Bischof Petru Gherghel aus der Diözese Ias¸i in Rumänien, Don Mirko Šimi´c, Caritasdirektor der Erzdiözese Vrhbosna/Sarajewo und Pater Stefan Dartmann SJ, der Hauptgeschäftsführer von Renovabis. Weitere Gäste waren Oana Androne, Projektmanagerin bei der sozialen Stiftung Leonardo Murialdo in Bukarest, Schwester Daniela Pilscikova von der litauischen Ordensgemeinschaft der Eucharistieschwestern sowie die Roma-Band „F6“ aus Brasov/Slowakei. Zwangsprostitution und Frauenhandel – es war alles andere als ein leichtes Thema, mit dem die Reihe der Veranstaltungen startete. In Kooperation mit der Beratungsstelle von Solwodi in Aachen, der Katholischen Hochschule (KatHO) Aachen und der RWTH Aachen hatte der Fachbereich Weltkirche beim Bistum mit Renovabis ins SuperC der RWTH eingeladen. Die Resonanz war beeindruckend, 250 überwiegend junge Zuhörer drängten sich in dem großen Veranstaltungssaal, gut 50 musste der Hausmeister aus Sicherheitsgründen sogar wegschicken. 

Nach einer wissenschaftlichen Einführung schilderten Oana Androne und Roshan Heiler von Solwodi Aachen, wie Frauen aus Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern in die Prostitution rutschen und was sie dann erwartet. Gründe, den falschen Versprechungen der Zuhälter und Menschenhändler zu glauben, seien Arbeitslosigkeit und erziehungsbedingte Bildungsdefizite, so Oana Androne. Dies treffe besonders junge Frauen, die wegen der schwierigen finanziellen Situation in den Familien oft neben ihren Kindern auch ihre Eltern und Geschwister unterstützen müssten. Dazu kämen häufig häusliche Gewalterfahrungen. Die Hoffnung, dem entfliehen und gutes Geld verdienen zu können, mache sie empfänglich für die Anwerbung durch Zuhälter, die nicht selten aus dem Freundes- und Verwandtenkreis kämen. 

„Etwa 60 Prozent der Frauen, die in Aachens Antoniusstraße arbeiten, kommen aus Rumänien“, berichtet Roshan Heiler. Viele seien Opfer von Zwangsprostitution. Seit eineinhalb Jahren bietet sie den Frauen Hilfe und Beratung an. Ein Anfang, doch es gibt noch viel zu verbessern, um betroffene Frauen wirklich schützen zu können. Zu diesem Ergebnis kam auch die abschließende Podiumsdiskussion mit Vertretern von Staatsanwaltschaft, Stadt und dem Arbeitskreis Prostitution in Aachen. Ein wichtiges Signal der Veranstaltung: Öffentlichkeit dafür schaffen. 

„Für viele Menschen hier bei uns ist der Osten Europas noch grau, das wollen wir ändern, zeigen, er ist auch: bunt, Musik und schön“, begrüßte Pater Stefan Dartmann die Zuhörer im Soziokulturellen Zentrum Klösterchen in Herzogenrath zu einem Abend rund um Rumänien. Als ersten Gast begrüßte Moderator und KiZChefredakteur Thomas Hohenschue dazu Bischof Gherghel, der lebendig aus seinem Bistum erzählte, dessen oberster Hirte er seit 1990 ist. „Wir haben eine sehr dynamische Kirche mit vielen jungen Seminaristen und Priestern.“ Das helfe, denn in ihrer Region werde wenig investiert, die Menschen seien zumeist arm, aber auch sehr religiös und sie hätten viel Mut und Kraft. Sein Dank galt Renovabis für seine Initiativen in seinem Land und allen, die es unterstützten. 

Einer der Projektpartner von Renovabis ist die Stiftung, für die Oana Androne tätig ist. Ihr Ansatz ist nicht nur, akute Not zu lindern, sondern vor allem jungen Menschen Perspektiven zu geben. Dazu zählen unter anderem ein Jugendzentrum, ein Tageszentrum für Kinder aus schwierigen wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Verhältnissen und Ausbildungsangebote und Kurse für Jugendliche. „Uns hat die Stiftung überzeugt, weil hier ganz konkret geholfen, aber auch langfristig gedacht und jungen Menschen eine Ausbildung ermöglicht wird“, erläuterte Martin Lenz, Leiter der Abteilung Länder und Projekte bei Renovabis. Für sie als Hilfswerk sei wichtig, dass das ihnen anvertraute Geld etwas vor Ort bewege. Dazu bräuchten sie Partner, in deren Ideen sie investierten, denn von außen könnten sie alleine keine Probleme lösen. 

Unterstützung anderer Art leistet die Stadt Herzogenrath, die eine Städtepartnerschaft zum rumänische Bistriz pflegt. „Wir können nur im Kleinen helfen, beispielsweise bei der Rekultivierung eines Weinbergs oder bei der Stadtplanung“, erläuterte Bürgermeister Christoph von den Driesch. Hilfe von Mensch zu Mensch leistet auch die Rumänien-Aktion Aachen Nordwest seit den 80er Jahren in Caransebes, wo sie unter anderem einen Mittagstisch und Lernhilfen für benachteiligte Kinder unterstützt. 

Für die versprochene Lebensfreude der Menschen in Osteuropa sorgte die Roma- Band „F6“. Die jungen Männer wollen mit ihren mal fetzigen, mal etwas ruhigeren christlichen Songs in Slowakisch und Roma Vorurteile abbauen und für sich und ihren Glauben werben. Was sie nicht nur an diesem Abend, sondern auch bei einem Konzert auf dem Aachener Hof eindrucksvoll taten. 


Von Andrea Thomas

Veröffentlicht am 24.08.2012

 
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