Weltkirche im Bistum Aachen
http://weltkirche.kibac.de/nachrichten?view=detail&id=bd6e9424-f347-4640-89e8-5a85b1e48caf
Weltkirche im Bistum Aachen
 
 
Wie Kontinente-Redakteurin Eva-Maria Werner ihre Reportagen von Aachen aus vorbereitet

Kulturelle Besonderheiten: Auf der indonesischen Insel Sumba begrüßen sich die Menschen mit einem Nasenkuss. Solche Hinweise erleichtern den Kontakt zu den Einheimischen.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 03/2016

Auf den Spuren der Globalisierung

Von Aachen aus recherchiert „Kontinente“ Hoffnungsgeschichten

Giftige Rauchschwaden steigen in die Luft. Auf der Schrotthalde von Agbobogloshbie landet Elektroschrott der westlichen Industrienationen. Die Menschen zerlegen ihn und verbrennen Unbrauchbares. Unter ihnen: die Journalistin Eva-Maria Werner und der Fotograf Fritz Stark.

Für das in Aachen gestaltete Magazin „Kontinente“ reisen die beiden oft an Orte, die die Schattenseiten der Globalisierung zeigen: wie die Elektroschrotthalde in Ghana, nach Kambodscha, wo sie die unwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen der Textilarbeiterinnen dokumentierten. Oder auf die indonesische Insel Sumba, wo junge Mädchen eine Ausbildung zur Haushälterin erhalten, um sich gegen Menschenhändler zu schützen. Doch sie finden vor Ort auch immer wieder Funken der Hoffnung und Menschen, die sich dafür einsetzen, die Lebensumstände ein bisschen besser zu machen. „Kontinente“ feiert in diesem Jahr ein rundes Jubiläum. 1966 entschlossen sich 13 Ordensgemeinschaften, ein gemeinsames Magazin herauszugeben, um über Mission und Weltkirche zu berichten. Heute geben neben dem katholischen Hilfswerk Missio in Deutschland und den Niederlanden 25 internationale Ordensgemeinschaften die Zeitschrift heraus. Ihre Arbeit bildet auch den Grundstock für die Arbeit von Eva-Maria Werner.

„Kern unserer Arbeit ist zu zeigen, was durch die Arbeit der Ordengemeinschaften geändert werden kann“, sagt sie. Jede Auslandsreportage beginnt zunächst zu Hause. Von ihrem Büro in der Redaktion in Aachen spricht sie mit den jeweiligen Länderreferenten des Hilfswerks, um herauszufinden, welche Ordensgemeinschaft vor Ort ihre Niederlassung hat und welches Projekt sie betreut. In einem zweiten Schritt nimmt sie Kontakt zu Ansprechpartnern vor Ort auf. Dann heißt es warten. „Eine Rückmeldung kann manchmal länger dauern. Im Fall unserer Reportage aus Sumba hatte unsere Ansprechpartnerin zwei Wochen lang keine Internetverbindung,“ erzählt sie.

 

Ordensleute sind sehr lange vor Ort und genießen dort hohes Ansehen

Auf ihren Reisen begleitet sie meist Fritz Stark, der schon lange als Fotograf für das Magazin tätig ist. Für Werner ist der Austausch mit dem erfahrenen Kollegen sehr wichtig. Vor Ort bleibt den beiden nur wenig Zeit für Vorbereitungen, also muss alles im Vorfeld gut vorbereitet und abgesprochen sein. Die Ordensgemeinschaften vor Ort sind dabei für Werner in mehrfacher Hinsicht wichtige Ansprechpartner: „Unsere Partner sind sehr lange vor Ort und genießen dort hohes Ansehen. Oft reisen wir in Länder, die nicht christlich geprägt sind. Die Ordensleute begleiten uns als Übersetzer, geben Tipps für weitere Ansprechpartner vor Ort und fungieren als Türöffner, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen oder Zutritt zu Orten zu erhalten, zu denen wir sonst keinen Zutritt hätten.“

So wie bei der Recherchereise nach Kambodscha. Zwar erhielten Werner und Stark keinen Zutritt in die großen Fabriken in der Hauptstadt Phnom Penh, doch die guten Kontakte ihrer Begleiterin, Schwester Eulie von den „Töchtern der Nächstenliebe“, ermöglichten den Zutritt in eine kleinere Fabrik auf dem Land. „Wir hatten 15 Minuten Zeit, uns einen Eindruck zu verschaffen,“ erinnert sich Werner. Auch auf Sumba, wo die „Schwestern der Liebe vom kostbaren Blut“ eine Haushaltsschule für junge Mädchen betreiben, damit diese eine Chance gegen ausbeuterische Menschenhändler haben, waren die Schwestern vor Ort wichtige Brückenbauerinnen, um mit den jungen Frauen ins Gespräch zu kommen. „Das hat auch viel mit Vertrauen zu tun“, sagt Werner.

 

Man hofft, dass sich durch die Berichterstattung etwas ändert

Dieses Vertrauen sei vielschichtig. Einerseits vertrauen die jungen Frauen den Schwestern, weil die Hausfrauenschule ihnen eine Schutzraum gewährt, den sie in der patriarchalischen Gesellschaft nicht genießen. Die Vertrauensbasis bestehe aber auch zwischen den Journalisten und den Partnern vor Ort: „Wir müssen sichergehen, dass sie keine Probleme bekommen, wenn wir wieder abreisen“, betont Werner. Dazu gehört auch eine Sensibilität im Umgang mit kulturellen Unterschieden. Das kann eine Kleinigkeit sein, wie der auf Sumba übliche Nasenkuss, mit dem sich die Bewohner begrüßen. „Doch solche Dinge sind wichtig zu wissen“, sagt Eva-Maria Werner.

Um in schwierigen Situationen richtig zu reagieren, hat sie ein Deeskalationstraining besucht. Gerade weil sie auf ihren Recherchereisen Orte und Menschen besucht, die sich auf der Schattenseite des Lebens befinden, gehen ihr diese Begegnungen oft nahe. „Wir erleben überall so viel Gastfreundschaft und auch die Bereitschaft der Menschen, ihre Geschichte mit uns zu teilen. Umso größer ist da die Verantwortung abzuwägen, was man aus der Geschichte für den Artikel, den man zu Hause schreibt, herausnimmt. Man hofft, dass sich durch die Berichterstattung etwas ändert.“


Von Kathrin Albrecht

Veröffentlicht am 26.01.2016

 
Test