Weltkirche im Bistum Aachen
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Weihnachten Antoniusstraße

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Ein bisschen Weihnachten in die Parallelwelt bringen

Frauennetzwerk verteilte zum zweiten Mal kleine Geschenke an die Frauen der Antoniusstraße

Aachen (iba) – Sorgfältig werden die letzten liebevoll gepackten Tütchen und Printen in einem Bollerwagen verstaut. Loni Finken, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Aachen, greift sich den Stapel mit Gebetstexten, dann kann es losgehen.

Nach der gelungenen Premiere machen sich Vertreterinnen aus dem Frauennetzwerk der Städteregion Aachen auch in diesem Jahr wieder auf den Weg in die Antoniusstraße, um den Frauen dort eine kleine Freude zu machen. Im Frauennetzwerk engagieren sich über 50 kommunale und kirchliche Einrichtungen aus der Region. „Uns geht es darum, den Frauen in einer Zeit, wo alle um sie herum Form sich auf das Weihnachtsfest vorbereiten, auch ein bisschen Weihnachten zu bringen", sagt Ursula Becker aus der Ratsfraktion von Bündnis 90/Grüne der Stadt Aachen.

Die Idee zu dieser Aktion entstand im Vorjahr aus der gemeinsamen Arbeit des Frauennetzwerkes, dessen Vertreterinnen sich auch im kommunalen Runden Tisch Antoniusstraße engagieren. „Wir hatten davor als Solwodi alleine die Frauen besucht und kleine Geschenke verteilt. Es ist schön, wenn wir das jetzt zusammen machen", erzählt Roshan Heiler, die in Aachen die Beratungsstelle von „Solwodi" leitet. Die von Schwester Lea Ackermann gegründete Organisation setzt sich weltweit für Frauen ein, die Opfer von Ausbeutung und Gewalt geworden sind. Mit im Boot ist auch in diesem Jahr Anke Reermann, Missio-Diözesanbeauftragte in der Abteilung Weltkirche im Bischöflichen Generalvikariat im Bistum Aachen. Neben den Gebetestexten in verschiedenen Sprachen, wie Spanisch, Rumänisch, Polnisch oder Englisch, verteilt sie auch kleine Amulette an die Frauen, die ein Bild der Muttergottes aus dem Aachener Dom zeigen. Viele der Frauen, die in der Antoniusstraße arbeiten, stammen aus den osteuropäischen Ländern und seien sehr gläubig erzogen worden, erzählt Loni Finken: „Das ist ein Teil ihrer Biographie und viele fühlen sich dem noch verbunden."

Nach Schätzungen der Polizei arbeiten rund 200 Frauen auf der Antoniusstraße. Einige, erzählt Roshan Heiler, leben auch dort: „Das ist eine sehr belastende Situation, denn dort wird im Grunde Tag und Nacht gearbeitet. Die Frauen kommen kaum zur Ruhe." Die Folgen seien oft psychosomatische Erkrankungen, die noch zusätzlich dadurch verstärkt werden, dass die Familien nicht wissen dürfen, wie die Frauen das Geld verdienen, mit denen Sie ihre Angehörigen zu Hause unterstützen. Roshan Heiler kennt durch die Beratung einige der Frauen etwas näher und wechselt mit ihnen einige Worte, während sie die Päckchen verteilt. „Fährst du Weihnachten nach Hause?", fragt sie. - „Ja", antwortet die Frau und ist sichtlich gerührt über das kleine Tütchen, in der sich auch Informationen der Beratungsstelle befinden. „Es ist wichtig, dass die Frauen in diesem gewaltdominierten System, in dem sie leben, eine unabhängige Informationsquelle haben, die sie über ihre Rechte aufklärt", sagt Roschan Heiler. Und so ist auch in dieser Parallelwelt ein bisschen Weihnachten.


Von iba

Veröffentlicht am 04.01.2016

 
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